Allein heute, am Montag, 10.11.2008, waren folgende zwei Sachverhalte in den Zeitungen zu lesen. Zwei Entwicklungen, die schön langsam auch die Einrichtung einer deutschsprachigen Version von Newspaper Death Watch rechtfertigten:
Die traditionsreiche Oberösterreichische Rundschau wird von der neuen Eigentümerin, der Moser Holding aus Innsbruck, wegen - wie es heißt "schlechter Ertragslage" - in eine Gratiszeitung umgewandelt. Damit gehen 100 von 250 Arbeitsplätze verloren; die verbleibenden 150 Arbeitnehmer müssen mit beträchtlichen Einkommenseinbußen rechnen. So sollen die Journalisten von ihrem in den für den Arbeitgeber preiswerteren Kollektivvertrag des Gewerbes gezwungen werden. Das bedeutet bis zu 50 Prozent weniger Geld für die Betroffenen. (Einzelheiten dazu)
Die WAZ-Mediengruppe will, so hat es Geschäftsführer Bodo Hombach angekündigt, 30 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Vor diesem Hintergrund ist die Redaktionsreform der WAZ für ihre vier Zeitungen in Nordrhein-Westfalen zu sehen: die Ressorts Innen- und Außenpolitik, Wirtschaft, Sport, Kultur, Vermischtes und Fernsehen, die bisher in jeder der vier Tageszeitungen eigenständig betrieben wurden, werden in eine Zentralredaktion zusammen gelegt. Der Chefredakteur spricht von Qualitätsverbesserung; Branchenkenner vermuten, dass mit dieser Zusammenlegung ein Viertel der Redakteure eingespart werden könnten - nämlich 200. (Einzelheiten dazu)
Montag, November 10, 2008
Samstag, November 08, 2008
Kahlschlag
1. Juli 2008: Die französischen Tageszeitungen "Le Monde" und "Le Figaro" kündigen an mehr als 200 Mitarbeiter, darunter 105 Journalisten, abzubauen, um Personalkosten von 9,4 Millionen Euro zu sparen.
24. Juni 2008: Der Deutsche Journalisten Verband protestiert gegen den Eigentümer der Berliner Zeitung, den Finanzinvestor David Montgomery: "Wenn, wie geplant, allein bei der Berliner Zeitung 40 von 130 Redakteursstellen wegfallen sollen, verkommt das Blatt zum Sammelsurium von Agenturmeldungen".
16. Juli 2007: Die neuen Eigentümer des Medienkonzerns ProSiebenSat1, die Finanzinvestoren KKR und Permira, drängen auf eine Erhöhung der Rendite von 22,2 auf 30 Prozent im Jahr 2008. Als Folge werden werden "rund 250 Arbeitsplätze im Bereich des Informationsjournalismus vernichtet."
Drei Beispiele aus den vergangenen zwölf Monaten. Aus einem Beitrag der "Neuen Zürcher Zeitung Online" geht hervor, dass diese nur die Spitze des Eisbergs sind - in Europa,vor allem aber in den USA, wo die Auflagezahlen der Tageszeitungen stark schrumpfen - von März bis September 2008 um 4,6 Prozent : "Der Auflagenrückgang, das Abwandern von Anzeigen, die Billigkonkurrenz im Internet, die anhaltend hohen Kosten des Print-Gewerbes und die oft schwindelerregend hohe Verschuldung vor allem der US-Unternehmen gelten als die zentralen Gründe der Abwärtsbewegung."
Die Aasgeier beziehen Position: Newspaper Death Watch publiziert penibel, welche Tageszeitung in den USA mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat und wie viele journalistische Mitarbeiter entlassen muss. Schadenfroher Untertitel der Website: "Chronik des Niedergangs von Zeitungen und der Wiedergeburt des Journalismus".
24. Juni 2008: Der Deutsche Journalisten Verband protestiert gegen den Eigentümer der Berliner Zeitung, den Finanzinvestor David Montgomery: "Wenn, wie geplant, allein bei der Berliner Zeitung 40 von 130 Redakteursstellen wegfallen sollen, verkommt das Blatt zum Sammelsurium von Agenturmeldungen".
16. Juli 2007: Die neuen Eigentümer des Medienkonzerns ProSiebenSat1, die Finanzinvestoren KKR und Permira, drängen auf eine Erhöhung der Rendite von 22,2 auf 30 Prozent im Jahr 2008. Als Folge werden werden "rund 250 Arbeitsplätze im Bereich des Informationsjournalismus vernichtet."
Drei Beispiele aus den vergangenen zwölf Monaten. Aus einem Beitrag der "Neuen Zürcher Zeitung Online" geht hervor, dass diese nur die Spitze des Eisbergs sind - in Europa,vor allem aber in den USA, wo die Auflagezahlen der Tageszeitungen stark schrumpfen - von März bis September 2008 um 4,6 Prozent : "Der Auflagenrückgang, das Abwandern von Anzeigen, die Billigkonkurrenz im Internet, die anhaltend hohen Kosten des Print-Gewerbes und die oft schwindelerregend hohe Verschuldung vor allem der US-Unternehmen gelten als die zentralen Gründe der Abwärtsbewegung."
Die Aasgeier beziehen Position: Newspaper Death Watch publiziert penibel, welche Tageszeitung in den USA mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat und wie viele journalistische Mitarbeiter entlassen muss. Schadenfroher Untertitel der Website: "Chronik des Niedergangs von Zeitungen und der Wiedergeburt des Journalismus".
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Journalismus,
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Tageszeitung
Sonntag, Oktober 26, 2008
Schlechter Onlinejournalismus
Stefan Niggemeier, der Mann vom BILDblog hält einen bemerkenswerten Vortrag über schlechten Onlinejournalismus,den er in seinem Weblog veröffentlicht. Niggemeiers These:
Die Verlage und Sender probieren im Internet gerade aus, ob es nicht auch mit weniger Journalismus geht.
Die Befunde gelten meiner Meinung ebenso für Österreich. Natürlich sind auch bei uns gute Onlinejournalisten am Werk. Aber durchwegs sind die Onlineredaktionen vieler Tageszeitungen und elektronischer Medien schlechter ausgestattet als die Stammredaktionen.
Darüber hinaus wird Niggemeiers subjektive Zustandsanalyse durch die Untersuchung "Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichten-Sites im Internet" von Steffen Range und Roland Schweins im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung empirisch untermauert. Und der jüngste Zustandsbericht der Medien in den Vereinigten Staaten erlaubt einen düsteren Blick in die mögliche Zukunft des Journalismus in unseren Breiten.
Zustandsanalysen, vor allem, wenn sie so auf den Punkt gebracht werden wie Niggemeier es getan hat, sind nützlich und wichtig. Nun sind aber Lösungsansätze gefragt, wie sie nicht nur von einem Kommentator des Vortrags / Blogeintrags eingemahnt wurden.
Also: Wer fängt an?
Die Verlage und Sender probieren im Internet gerade aus, ob es nicht auch mit weniger Journalismus geht.
Die Befunde gelten meiner Meinung ebenso für Österreich. Natürlich sind auch bei uns gute Onlinejournalisten am Werk. Aber durchwegs sind die Onlineredaktionen vieler Tageszeitungen und elektronischer Medien schlechter ausgestattet als die Stammredaktionen.
Darüber hinaus wird Niggemeiers subjektive Zustandsanalyse durch die Untersuchung "Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichten-Sites im Internet" von Steffen Range und Roland Schweins im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung empirisch untermauert. Und der jüngste Zustandsbericht der Medien in den Vereinigten Staaten erlaubt einen düsteren Blick in die mögliche Zukunft des Journalismus in unseren Breiten.
Zustandsanalysen, vor allem, wenn sie so auf den Punkt gebracht werden wie Niggemeier es getan hat, sind nützlich und wichtig. Nun sind aber Lösungsansätze gefragt, wie sie nicht nur von einem Kommentator des Vortrags / Blogeintrags eingemahnt wurden.
Also: Wer fängt an?
Freitag, September 26, 2008
Fremdwort Recherche oder: warum nachfragen, wenn es sooo gut in den Kram passt?
Bei manchen Geschichten tue ich mir schwer ... lachen, schimpfen, lehrmeistern, schadenfroh sein ...
Zum Beispiel bei dieser: Eine ehemalige Auslandsstudentin schickt ein Mail an Zeitungen und Parteien in Österreich, in dem sie aus einem Artikel der renommierten TIMES zitiert. Dort steht zu lesen, dass die Europäische Union plant, dass aus hygienischen Gründen neben jedem Würstlstandl ein Klo aufgestellt werden müsse ... der endgültige Bericht, steht auf der verlinkten Seite der EU, werde am 28. September publiziert.
Prompt finden sich Berichte zu diesem Thema unter anderem in der Steiermark-Krone, in der Wiener-Krone, in der Gratiszeitung "heute", aber auch in der Wiener Zeitung.
Der Witz daran: die Geschichte ist frei erfunden, eine Ente. Der Standard berichtete darüber.
Ein gefälschter Zeitungsartikel und eine nicht einmal gut gefälschte Webseite der EU reichen aus, um unter anderen Österreichs größte Tageszeitung zu ausführlicher Berichterstattung zu bewegen, die jedes Mindestmaß an qualitätsjournalistischer Arbeitsweise - nämlich aureichende Recherche - vermissen lässt.
Der Zyniker zitiert eine alte Journalistenweisheit: "Ich werde mir eine gute Geschichte doch nicht durch Recherche kaputt machen lassen!"
Der Journalismusforscher findet einmal mehr den Befund bestätigt, dass für ausreichend Recherche vor der Publikation die Zeit und/oder der Wille fehlt.
Und der Grübler fragt sich, wieviele andere Geschichten in wievielen Zeitungen, Zeitschriften, Nachrichtensendungen im Fernsehen sowie auf Online-Nachrichtenportalen genau so zustande kommen; die genauso schlecht recherchiert und falsch sind; nach deren Veröffentlichung sich aber niemand meldet und sagt: "Wir haben der Redaktion eine Ente untergejubelt."
Zum Beispiel bei dieser: Eine ehemalige Auslandsstudentin schickt ein Mail an Zeitungen und Parteien in Österreich, in dem sie aus einem Artikel der renommierten TIMES zitiert. Dort steht zu lesen, dass die Europäische Union plant, dass aus hygienischen Gründen neben jedem Würstlstandl ein Klo aufgestellt werden müsse ... der endgültige Bericht, steht auf der verlinkten Seite der EU, werde am 28. September publiziert.
Prompt finden sich Berichte zu diesem Thema unter anderem in der Steiermark-Krone, in der Wiener-Krone, in der Gratiszeitung "heute", aber auch in der Wiener Zeitung.
Der Witz daran: die Geschichte ist frei erfunden, eine Ente. Der Standard berichtete darüber.
Ein gefälschter Zeitungsartikel und eine nicht einmal gut gefälschte Webseite der EU reichen aus, um unter anderen Österreichs größte Tageszeitung zu ausführlicher Berichterstattung zu bewegen, die jedes Mindestmaß an qualitätsjournalistischer Arbeitsweise - nämlich aureichende Recherche - vermissen lässt.
Der Zyniker zitiert eine alte Journalistenweisheit: "Ich werde mir eine gute Geschichte doch nicht durch Recherche kaputt machen lassen!"
Der Journalismusforscher findet einmal mehr den Befund bestätigt, dass für ausreichend Recherche vor der Publikation die Zeit und/oder der Wille fehlt.
Und der Grübler fragt sich, wieviele andere Geschichten in wievielen Zeitungen, Zeitschriften, Nachrichtensendungen im Fernsehen sowie auf Online-Nachrichtenportalen genau so zustande kommen; die genauso schlecht recherchiert und falsch sind; nach deren Veröffentlichung sich aber niemand meldet und sagt: "Wir haben der Redaktion eine Ente untergejubelt."
Samstag, September 20, 2008
Einseitige Berichterstattung im Wahlkampf
In den USA ist Wahlkampf, in Österreich ist Wahlkampf. Die Massenmedien sind voll davon. Die Quantität des Publizierten ist unübersehbar - wie ist es aber um die Qualität der Wahlkampfberichterstattung bestellt? In den Vereinigten Staaten offensichtlich nicht besonders gut, wie ein Blogeintrag des Politikexperten der Tageszeitung Kurier, Uwe Schwinghammer, mit dem Untertitel vermittelt: "Der Eindruck einer einseitigen Berichterstattung in diesem Wahlkampf verdichtet sich". Als einen Grund nennt Schwinghammer in dem Eintrag die auffällige und offene Parteinahme für Barack Obama.
Nun sagen Leute, die als Experten für die Innenpolitik in den USA sind, dass es dort nicht ungewöhnlich sei, wenn sich große Publikationen wie die "Los Angeles Times"oder die "Financial Times" ganz offen dazu bekennen, dass sie einen Kandidaten für den Präsidentschaftswahlkampf unterstützen - in diesem Fall Barack Obama.
Im österreichischen Wahlkampf hingegen ist es ein Novum, dass sich eine Tageszeitung ganz offensichtlich für einen Spitzenkandidaten im Nationalratswahlkampf engagiert. Die "Kronen Zeitung" für Werner Faymann, SPÖ: (1), (2),(3), (4).
Hier soll es gar nicht um die Frage gehen, ob eine solche massive mediale Unterstützung für einen Kandidaten letztlich wahlentscheidend ist - der Politologe Peter Filzmaier beispielsweise sieht dafür keinen Beleg.
An dieser Stelle sollen vielmehr Zweifel daran angemeldet werden - für die USA genauso wie für Österreich -, dass die offene oder auch nur offensichtliche Parteinahme für einen Politiker, der sich zur Wahl stellt, mit den (hoffentlich) noch gültigen Parametern journalistischer Arbeit in Einklang zu bringen ist.
Qualitätsjournalismus verlangt unbeeinflusste, unparteiische, ausgewogene und faire Berichterstattung. Das schafft jene Glaubwürdigkeit, die wir Journalisten uns von unseren Lesern, Sehern, Hörern und Usern wünschen ... auch wenn viele Kollegen diesen Wunsch offensichtlich schon ad acta gelegt haben: 1999 hielten 28 Prozent der US-Journalisten Glaubwürdigkeit für das wichtigste Gut im Journalismus, 2004 waren es nur noch neun Prozent - nachzulesen im US-Jahresbericht für Journalismus. Den Journalisten in den USA ist diese Entwicklung bewusst, nur noch 20 Prozent der Befragten glauben, dass sie gute Arbeit machen. Als Grund nennen sie vorwiegend die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssen.
Für Österreich fehlen entsprechende Untersuchungen. Was hierzulande aber erhoben wurde ist die Sicht der anderen Seite, wie nämlich Medienkonsumenten die Journalisten einschätzen. Zum Beispiel hat "Reader's Digest " heuer auch unter 1000 Österreichern das Vertrauen in unterschiedliche Berufsgruppen abgefragt. Demnach genießen wir Journalisten das Vertrauen von nur 24 Prozent der Befragten (Politiker liegen mit 8 % immerhin noch schlechter).
Nun sagen Leute, die als Experten für die Innenpolitik in den USA sind, dass es dort nicht ungewöhnlich sei, wenn sich große Publikationen wie die "Los Angeles Times"oder die "Financial Times" ganz offen dazu bekennen, dass sie einen Kandidaten für den Präsidentschaftswahlkampf unterstützen - in diesem Fall Barack Obama.
Im österreichischen Wahlkampf hingegen ist es ein Novum, dass sich eine Tageszeitung ganz offensichtlich für einen Spitzenkandidaten im Nationalratswahlkampf engagiert. Die "Kronen Zeitung" für Werner Faymann, SPÖ: (1), (2),(3), (4).
Hier soll es gar nicht um die Frage gehen, ob eine solche massive mediale Unterstützung für einen Kandidaten letztlich wahlentscheidend ist - der Politologe Peter Filzmaier beispielsweise sieht dafür keinen Beleg.
An dieser Stelle sollen vielmehr Zweifel daran angemeldet werden - für die USA genauso wie für Österreich -, dass die offene oder auch nur offensichtliche Parteinahme für einen Politiker, der sich zur Wahl stellt, mit den (hoffentlich) noch gültigen Parametern journalistischer Arbeit in Einklang zu bringen ist.
Qualitätsjournalismus verlangt unbeeinflusste, unparteiische, ausgewogene und faire Berichterstattung. Das schafft jene Glaubwürdigkeit, die wir Journalisten uns von unseren Lesern, Sehern, Hörern und Usern wünschen ... auch wenn viele Kollegen diesen Wunsch offensichtlich schon ad acta gelegt haben: 1999 hielten 28 Prozent der US-Journalisten Glaubwürdigkeit für das wichtigste Gut im Journalismus, 2004 waren es nur noch neun Prozent - nachzulesen im US-Jahresbericht für Journalismus. Den Journalisten in den USA ist diese Entwicklung bewusst, nur noch 20 Prozent der Befragten glauben, dass sie gute Arbeit machen. Als Grund nennen sie vorwiegend die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssen.
Für Österreich fehlen entsprechende Untersuchungen. Was hierzulande aber erhoben wurde ist die Sicht der anderen Seite, wie nämlich Medienkonsumenten die Journalisten einschätzen. Zum Beispiel hat "Reader's Digest " heuer auch unter 1000 Österreichern das Vertrauen in unterschiedliche Berufsgruppen abgefragt. Demnach genießen wir Journalisten das Vertrauen von nur 24 Prozent der Befragten (Politiker liegen mit 8 % immerhin noch schlechter).
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