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Sonntag, April 18, 2010

Sie kommen (vielleicht) doch noch zusammen

HbbTV - Hybrid broadcast broadband TV - so nennt sich die neue gesamteuropäische Anstrengung, um Internet und Fernsehen doch noch zusammenzubringen. Und zwar auf ein Ausgabegerät, damit der Zuseher nicht wie jetzt vom Fernseher zum Computer mit Internetanschluss wechseln muss, wenn er er zum Beispiel eine Fernsehsendung verpasst hat und sie auf dem on-demand-Portal der Rundfunkstation (TVthek des ORF, Mediathek des ZDF, etc.) ansehen will.
HbbTV will die Inhalte von Rundfunk und Internet verknüpfen. Wie das geschehen geschehen soll, wird im entsprechenden Wikipedia-Eintrag so beschrieben:
"In das Rundfunksignal [wird] eine Signalisierung eingefügt (AIT-Tabelle). Diese AIT-Tabelle wird vom Empfänger ausgelesen, und enthält in der Regel eine URL auf eine spezielle HTML-Seite, die über die Internetverbindung geladen wird. Diese HTML-Seiten werden gewöhnlich mit Hilfe der roten Farbtaste der Fernbedienung sichtbar geschaltet.

Damit lassen sich TV-Editionen der Mediatheken starten, damit Sendungen zeitversetzt vom Zuschauer abgerufen werden können. Auch für den Teletext ergeben sich mit Optionen für Abbildungen und Grafiken sichtlich bessere Darstellungen im Zeitalter des hochauflösenden Fernsehens. Die HTML-Umgebung ermöglicht dabei eine ganze Reihe von neue Funktionalitäten: Ein verkleinertes Fernsehbild kann in HTML-Seiten integriert werden und von der HTML-Seite kann direkt auf ein anderes Fernsehprogramm umgeschaltet werden. Darüber hinaus lassen sich synchron zum Fernsehprogramm Menüfunktionen und Nachrichtenticker transparent über das laufende Fernsehbild legen."

Nach Angaben auf der Website der HbbTV-Initiative unterstützen namhafte Provider wie Astra und Eutelsat, Broadcaster wie die französische Canal+-Gruppe, Netzwerkexperten wie Cisco, Erzeuger von Settop-Boxen wie Humax und Consumer Electronic wie Sony den neuen Standard. Humax bietet bereits einen Receiver an, der den Anwender laut Produktbeschreibung nicht nur durch die Fernsehprogramme, sondern auch durchs Internet surfen lässt.

HbbTV ist bereits im Dezember 2009 zur Standardisierung eingereicht und wurde auch schon bei der Internationalen Funkausstellung 2009 vorgestellt. "2010 wir das Jahr von HbbTV werden", formuliert das Hamburger Technologie-Unternehmen TEVEO, ein Mitglied der HbbTV-Initiative euphorisch.

Unbestritten ist, dass die benutzerfreundliche Verbindung von Fernsehen und Internet längst überfällig ist. Zur Vorsicht vor allzu überschwänglichen Erwartungen an HbbTV besteht allerdings Anlass, bevor nicht die Konsumenten in ausreichender großer Zahl ihre Bereitschaft bekundet haben, von der Verschränkung von Fernsehen und Internet ebenso begeistert zu sein wie die Wirtschaft. Spätestens nach der Ernüchterung bei MHP - der Standard sollte vor Jahren zu mehr Interaktivität im Fernsehen beitragen, konnte sich aber nicht durchsetzen - ist diese Vorsicht angebracht.

Mittwoch, Dezember 30, 2009

gefunden & notiert am 30.12.2009

Die Multimedia-Illustrierte INFOSAT berichtet über die Marktanteile 2009 von Deutschlands Fernsehsendern (im Vergleich zu 2008). Grundlage dafür sind die Zahlen der GfK-Fernsehforschung in Nürnberg bei den Gesamtzuschauern ab drei Jahren:

1. ARD................ 12,7 % (- 0,7 %)
2. RTL................ 12,5 % (+ 0,7 %)
....ZDF................ 12,5 % (- 0,6 %)
4. Sat 1............... 10,4 % (+ 0,1 %)
5. Pro Sieben........ 6,6 % (0,0 %)
6. VOX.................. 5,4 % (0,0 %)
7. Kabel eins......... 3,9 % (+ 0,3 %)
....RTL 2................ 3,9 % (+ 0,1 %)
9. Super RTL.......... 2,5 % (+ 0,1 %)

[Link]

Sonntag, Dezember 27, 2009

Warum darf die Tagesschau nicht aufs iPhone?

n Streit stört den Weihnachtsfrieden in der deutschen Medienszene: "Ein gebührenfinanziertes Gratisprogramm der ARD-Tagesschau für das iPhone schadet nach Ansicht des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) der Medienbranche in ihrer Umbruchphase", schreibt Spiegel Online: "Die ARD plant, ihre Online-Inhalte im neuen Jahr in einem kostenlosen Dienst für das Apple-Mobiltelefon und andere Smartphones zur Verfügung zu stellen."

Die Befürchtungen der Zeitungsherausgeber

Die Zeitungsherausgeber befürchten, dass kostenlose Angebote von öffentlich-rechtlichen Fernsehstationen, wie die ARD-Tagesschau, den Erfolg der kostenpflichtigen Nachrichtenangebote von Zeitungen bedrohen könnten. "Wenn sich bezahlte Applikationen auf mobilen Geräten nicht durchsetzen, wird dies Tausende Arbeitsplätze in der Verlagsbranche kosten", sagte etwa der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, dem Magazin "Focus". Zwei Zeitungen aus dem Springer-Verlag bieten seit Dezember 2009 kostenplichtige Apps für das iPhone an. Der mobile Dienst kostet bei "Bild" zum Einstiegspreis 79 Cent pro Monat.

Tatsächlich ein Bedrohungsszenario?

Der ARD ergeht es wie den meisten öffentlich-rechtlichen Sendern, wie auch dem ORF: sie verliert Zuseher. Der Marktanteil der "Tagesschau" im Ersten hat sich zwischen 2005 und 2008 von 20,6 % auf 19,0 % verringert. Fernseh-Zuseher wandern ins Internet ab, genauso wie Zeitungsleser ins Internet abwandern.

Da ist es doch nur folgerichtig, wenn die ARD versucht ihren Rezipienten ins (mobile) Internet zu folgen. Zumal sich die Nachrichtenleute des öffentlich-rechtlichen Senders im Internet schon eine respektable Reputation aufgebaut haben. Und wenn - zumindest für den juristischen Laien - kein Widerspruch zu den restriktiven Bestimmungen des Paragraphen 11d des Rundfunkstaatsvertrags zu erkennen ist.

Legitimationskrise durch Internetabstinenz

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat - ob zu Recht oder zu Unrecht sei in diesem Zusammenhang dahin gestellt - in der Diskussion um die letztlich erfolgreiche Absetzung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender mit Quotenverlusten bei den Nachrichtensendungen des Öffentlich-Rechtlichen argumentiert. Der Legitimationskrise - alle zahlen Rundfunkgebühren, immer weniger sehen die Programme - wollen die öffentlich-rechtlichen Sender mit Nachrichtenangeboten dort entkommen, wo die potenziellen Rezipienten sind. Sie handeln sich dafür den Vorwurf ein, das Bedrohungsszenario für den Printbereich zu sein.

Keine Tagesschau auf dem iPhone - höhere Zahlungsbereitschaft?

Springer-Chef Döpfner sowie andere Kritiker aus der Medienbranche und der Medienpolitik am ARD-Plan, die Tagesschau als iPhone-Applikation anzubieten, haben offenichtlich kein Vertrauen; weder in die Qualität der eigenen Produkte noch in die Bereitschaft der Online-User für entsprechende Inhalte zu bezahlen. Unverständlich bleibt Herr Döpfners Zuversicht, dass Online-User mehr Bereitschaft zeigen sollen, für das App von "Bild" zu bezahlen, wenn die "Tagesschau"auf dem iPhone verhindert wird. Der sparsame Nachrichtenkonsument wird sich dann wohl - auf dem iPhone wie auf den Mobiltelefonen anderer Hersteller - mit den kostenlosen, fürs mobile Internet optimierten Nachrichtenangeboten bescheiden, wie sie "Bild" und viele andere Printprodukte schon jetzt anbieten.

Oder werden diese kostenlosen Angebote der Zeitungen mit den kostenlosen iPhone-Apps dann abgeschafft, damit sie den Herausgebern nicht ebenso Konkurrenz machen wie das geplante iPhone-App der Tagesschau ?

Politik und Medien haben das Internet verschlafen

Hinter all dem Gezeter um das Vorhaben der ARD steckt die trügerische und durch nichts begründete Hoffnung, dass kostenpflichtiger redkationeller Inhalt nach X gescheiterten Versuchen 2010 doch noch ein tragfähiges Geschäftsmodell werden könnte. Angesichts der Diagnose des wiener Kommunikationswissenschafters Hannes Haas, dass Medienpolitik und -branche das Internet verschlafen haben, wirkt das Geschrei der deutschen Printmanager gegen den ARD-Plan wie ein Manöver, dass von der eigenen Unfähigkeit ablenken soll, tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Kostenpflichtige Inhalte sind alter Wein in neuen Schläuchen. Die potenziellen Zahler, die iPhone-Besitzer, werden den Wein wohl als alt erkennen und ihn nicht bestellen.

Das bedrohliche Kleben an überkommenen Strategien

Hätten die Pferde-Fuhrleute zu Beginn des 20. Jahrhunderts so argumentiert wie die Medienmanager heute, dann hätten die Fuhrleute von der Politik wohl ein Fahrverbot für das neue Fortbewegungsmittel Auto auf Überlandstrecken und überhaupt eine generelle Geschwindgkeitsbeschränkung auf 10 Kilometern pro Stunde verlangt, nur damit die Pferdefuhrwerke konkurrenzfähig mit dem Benzin betriebenen Automobil bleiben. Sie hätten stur an den Jahrhunderte lang überlieferten Geschäftsmodellen der Pferdefuhrwerk-Branche festgehalten. Nach wie vor Hafer statt Benzin, Hufschmied statt Automechaniker.

Die Manager der "alten" Massenmedien sollten sich Statistiken über die Entwicklung der Zahl von Pferdefuhrwerken und der Zahl von Lastwagen seit Erfindung des Automobils ansehen.

Warum ich mich in diesem Blog so ausführlich mit der Diskussion über das Tagesschau-iPhone-App auseinandersetze.

Der Onlinedirektor des österreichischen öffentlich-rechtlichen ORF hat noch vor Weihnachten angekündigt, dass er für 2010 eine Applikation plane, die "Zeit im Bild", das österreichische Pendant zur "Tagesschau", aufs iPhone zu bringen. Die Reaktion des "Verbandes Österreichischer Zeitungen" (VÖZ) steht noch aus.

Nachtrag am 29.12.: Die Debatte über das kostenlose "Tagesschau"-App fürs iPhone spitzt sich zu: Die Bildzeitung, Speerspitze im Kampf gegen das Vorhaben der ARD, macht das Thema zum Aufmacher im Blatt.

Nachtrag am 31.12.: Zwei lesenswerte Blogposts (samt Kommentare) zum Thema von Richard Gutjahr und Ulrike Langer.

Montag, Dezember 07, 2009

Online mehr Information als im Fernsehen

ZAPP, das Medienmagazin des NDR, hat mit seinem kritischen Blick auf die deutsche Medienlandschaft Vorbildcharakter und ist einzigartig in der deutschsprachigen Fernsehlandschaft. Nun ist ZAPP auch Vorreiter bei der längst überfälligen Öffnung des klassischen Fernsehens in Richtung Zusatznutzen für den Zuschauer.

Umfassend erweiterte On-Demand-Version

Was in der originalen, also in der Fernsehversion des Magazins, nicht möglich ist, bieten die Macher von ZAPP in der Video-on-Demand-Version. Wenn etwa Bodo Hombach, der Geschäftsführer der "WAZ Mediengruppe" im Beitrag "Verlage in der Krise" in der ZAPP-Ausgabe vom 6. Dezember 2009 sein Statement zu den Personaleinsparungen in den Redaktionen abgibt, erscheint im rechten oberen Bilddrittel ein stilisierter Filmstreifen, als Icon für "Achtung, hier gibt es auf Mausklick Zusatzinformation". So können Interessierte statt der wenigen Sekunden Originalton ein 23-Minuten-Interview mit Bodo Hombach sehen.













Links auf Videos und Websites


Insgesamt 14 Links innerhalb des zehn Minuten langen Beitrags bieten zusätzliche Information, in Form von Interviews der OT-Geber in Langform, anderen Fernsehbeiträgen zum Thema oder als Links auf relevante Websites im Internet.

Das Prinzip der unterschiedlichen Informationstiefe wird konsequent durchgezogen - ohne den Zuseher zwangszubeglücken: Wer will, kann die Zusatzinfos aufrufen; wer will, kann den Beitrag ohne Zusatzinfos wie im klassischen Fernsehen ansehen - und am Ende über einen Klick auf ein Symbol im Mediaplayer die Zusatzinfos gesammelt aufrufen.

Mehr als ein Prestigeprojekt?

Dieses Angebot scheint mir ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung zu sein, um das Beste aus den Welten von Fernsehen und Internet zu verbinden: die hohe Qualität der Berichterstattung beibehalten und gleichzeitig individuell nutzbare Zusatzinformation anbieten.

Bleiben zwei Fragen: Bewegt sich der Aufwand für das Auffetten des klassischen Fernsehbeitrags um interaktiv nutzbare Zusatzinfos in einem Rahmen, dass solche Beiträge nicht nur fürs Image des Senders, sondern im tagtäglichen Betrieb produziert werden können? Und: Wann wird es endlich die passenden konvergenten Fernsehgeräte geben, damit der User nicht wieder an den Computer wechseln muss, um solche Beiträge nutzen zu können?

Sonntag, März 08, 2009

Fernsehen und Internet - die zweite


Eine neue Generation von Fernsehgeräten, die über einen Breitbandanschluss mit dem Internet verbunden sind - Philips Net TV (Bild links) oder Panasonic Viera Cast - könnten eine alte Idee aufleben lassen. Nämlich dem Fernsehen im Internet-Zeitalter eine Rolle im Medienmix zukommen zu lassen, die über die des Abspielgeräts für lineare, zeitabhängige Medienprodukte hinausgeht.

Die Kombination von Broadcast- und IP-Technologie im Fernsehgerät, könnte der guten, alten "Flimmerkiste" einen neuen Schub an Attraktivität verleihen. So könnte die Röhre, die heutzutage ja schon sehr oft eine LCD-Matrix ist, auch bei jungen Medienkonsumenten wieder begehrter werden.

Das Nebeneinander von (zur Zeit noch ausgewählten) Webseiten und TV-Kanälen auf diesen Fernsehgeräten der neuen Generation kann nur der Beginn sein. Denn konvergente Technik wird erst durch kluge Crossmedia-Inhalte nützlich für den Konsumenten. Die nur technische Variante - zwei Geräte in einem - lässt Chancen, vor allem für den Journalismus, ungenützt.

Warum nicht ... ein Beispiel:

Weil Sendezeit knapp ist, sind viele Nachrichten in einer Fernsehsendung kurz und bündig. Für manchen Zuseher sind sie zu kurz. Für denjenigen nämlich, der, anders als der Chef vom Dienst der Fernsehsendung, das Thema für wichtig und interessant hält, das in einem Meldungsfilm, in einer NiF, in gerade einmal 40 Sekunden abgehandelt wird. Aber auch nach ein zwei-Minuten-Bericht bleiben für Zuseher, die sich für ein Thema interessieren, noch Fragen offen, besteht weiterer Infomationsbedarf.

Dieser individuelle Anspruch an die Fernsehsendung könnte erfüllt werden, wenn während des Sendens dieses Kurzbeitrages und einige Sekunden danach auf den dafür geeigneten TV-Geräten ein Hinweis auftauchte, der beim Druck auf den roten Knopf der Fernbedienung zusätzliche Informationen zur Sache verspricht.
Der interessierte Fernsehzuschauer drückt den roten Knopf und wird, ohne dass es für ihn eines Mehraufwandes bedürfte, zum Internetuser. Er befindet sich nun in jenem Bereich auf der Website der Fernsehsendung, in dem das Thema, für das in der Fernsehsendung nur 40 Sekunden Platz war, ausführlich behandelt wird. Mit allen denkbaren medialen Möglichkeiten: Text, Foto, Audio, Video, Verlinkungen, interaktive Angebote, Forumseinträge ... - alles, was das Thema journalistisch hergibt und was die Redaktion an Ressourcen zur Aufbereitung der Inhalte bereit stellen kann.

Der Rezipient versäumt nichts

Was der Konsument auch nicht bemerkt: Als er von der Nachrichtensendung im TV auf die Nachrichtenplattform im Web wechselte, begann der Festplattenrekorder seiner Settop-Box selbstständig, die Nachrichtensendung aufzuzeichnen. Zeitversetztes Abspielen einer Aufnahme, während die Fernsehsendung noch läuft, gehört schon heute zu den technischen Fähigkeiten jedes Festplattenrekorders.

Auf modernen Fernsehgeräten wird das Bild nicht mehr in mageren 625 Zeilen dargestellt, wie es die PAL-Norm vorschreibt, sondern in HDTV mit einer Auflösung bis zu 1920 x 1080 Bildpunkten. Daher ist auf dem Bildschirm ausreichend Platz, das laufende Fernsehprogramm in einem kleinen Fenster darzustellen, während sich der Konsument auf der Onlineplattform der Fernsehsendung bewegt. Die bestehende Bild-im-Bild-Technologie, wie sie z.B. im DVB-T-Multitext des ORF eingesetzt wird, zeigt, wie es aussieht.

Wenn der Konsument nun wieder vom Web zum Fernsehen zurückkehren will, dann hat er zwei Möglichkeiten zur Auswahl: mit einem Druck auf den - sagen wir - grünen Knopf entscheidet er sich dafür, die Nachrichtensendung an dem Punkt fortzusetzen, an dem er sie zuvor verlassen hatte. Der Druck auf den grünen Knopf startet also die Festplattenaufnahme der Nachrichtensendung und spielt sie zeitversetzt ab.

Zweite Möglichkeit: Wenn der Konsument auf den - sagen wir - roten Knopf drückt, kehrt er in das laufende Fernsehprogramm zurück.

Was es für so ein crossmediales Programmangebot braucht:
  • Eine Fernsehsendung - die haben wir.
  • Ein Nachrichtenportal im Internet - das haben wir. Aber die Onlineredaktion muss mit der Fernsehredaktion viel stärker verzahnt sein als bisher. Sie muss ausreichend Ressourcen zur Verfügung haben, um die zusätzlichen Inhalte qualitativ hochwertig aufbereiten und rechtzeitig publizieren zu können. Ein Newsdesk in einem crossmedialen Redaktionsumfeld ist für die Koordination der medienübergreifenden Aktivitäten wohl unerlässlich. Wichtig für die Budgetverantwortlichen in den Fernsehstationen ist, dass für diese neue "TV-Web-Connection" kein Extra-Content generiert werden muss. Die Online-Berichterstattung, die vom Fernsehgerät aus angesteuert wird, ist über das Onlineportal auch zugänglich. Es entsteht lediglich ein neuer Vertriebskanal.
  • Die technischen Voraussetzungen, um Fernsehsendungen fit zu machen fürs Umschalten ins Netz.
Und schließlich ist es unbedingt nötig, dass Fernsehunternehmen an die Zukunft und die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit solcher Neuerungen glauben und diese ermöglichen, ja aktiv vorantreiben. Und wenn sie es nur deshalb tun, um den Stillstand zu überwinden, der die TV-Branche beim Starren auf Zuseherschwund und sinkende Werbeerlöse erfasst hat .

Donnerstag, November 20, 2008

beherzter Versuch "interaktives Fernsehen"

Die Inhalte lassen sich nur zu fix vorgegebenen Zeiten konsumieren; der unablässige Strom von bewegten Bildern und Tönen verdammt den Konsumenten zum passiven Zusehen. Fernsehen verliert an Beliebtheit. Immer mehr - vor allem junge - Medienkonsumenten greifen zur Alternative, zum Internet, wo Videos zu jedem beliebigen Zeitpunkt angesehen werden können. Außerdem lassen sich Internetangebote vom Nutzer steuern. Individuell. Sie sind interaktiv.

Die Idee, das gute alte Fernsehen interaktiv zu machen, ist alt. Die bisherigen Versuche waren aber nicht von besonderem Erfolg gekrönt. Die ARD macht nun einen Anlauf und bietet den Versuch "Tagesthemen Interaktiv" an. Haben frühere Versuche für interaktives Fernsehen, wie zum Beispiel die beiden Projekte der "Plattform Digitales Salzburg" (Disclaimer: Der Autor dieses Blogs ist Obmann des Vereins "Plattform Digitales Salzburg") noch den Fernsehapparat als Ausgabegerät gewählt, so sind die interaktiven Tagesthemen der ARD ausschließlich über Internet abrufbar.

"Uns ist klar, dass es auf Dauer zu wenig sein wird, lediglich Fernsehsendungen ins Netz zu stellen. Das wird den Möglichkeiten des Mediums nicht gerecht", schreibt Chefredakteur Kai Gniffke im Blog der Tagesschau. Die Nutzer sollen nun anhand der bereit gestellten Probesendung entscheiden, ob eine Darbietung wie "Tagesthemen Interaktiv" diese Möglichkeiten nutzt und akzeptiert wird.

Betonung auf Probesendung. Das Testen erfordert Geduld, die Ladezeiten sind selbst mit einer leistungsstarken Breitbandanbindung sehr lang. Abgesehen davon ist es ganz reizvoll, die Moderatorin, den Ablauf der Sendung mit einem Mausklick zu unterbrechen, um Video-Beiträge abzurufen, die den Hintergrund des gerade behandelten Themas beleuchten oder den Nutzer übre die Vorgeschichte aufklären. Das Fernsehen wird auf Wunsch des Nutzers non linear - für IPTV (Sendungen werden über Datenleitungen und Internetprotokoll auf den Bildschirm dargestellt) könnte das funktionieren - wenn es gelingt, das traditionelle passive Nutzungsverhalten der Konsumenen vor dem Fernsehgerät zu ändern.

Für das Internet mit dem Ausgabegerät Monitor scheint mir das Konzept von "Tagesthemen Intraktiv" zu kurz gegriffen. Anders als das Fernsehen kann das Internet mit allen zur Verfügung stehenden Medien umgehen - auch mit Text und Fotos, mit Audio (ohne Bild ;-)) und Grafiken. Jedes dieser Medien hat seine ganz eigenen Stärken - Text zum Beispiel eignet sich viel besser zur Berichterstattung, die in die Tiefe geht, zur Darstellung abstrakter Sachverhalte als Fernsehen.

Fernsehen wird den Möglichkeiten des Internet nur dann gerecht, wenn es auch die Grenzen seiner traditionellen Darstellungsmöglichkeiten durchbricht und die Darstellungsformen der anderen klassischen Möglichkeiten (Print, Hörfunk) integriert. Das Stichwort lautet: konvergenter Journalismus.

Dennoch, der Versuch von Innovtionsabteilung und Tagesthemen der ARD, neue Möglichkeiten für das Fernsehen im Internet zu suchen, ist beherzt und notwendig. Die meisten anderen Fernsehstationen belassen es dabei, das Internet zur Lagerstätte - positiv formuliert: zum Archiv - bereits gespielter Fernsehsendungen zu degradieren.

Donnerstag, Juni 19, 2008

Leere Versprechen ... unnötig!

Im Weblog der Journalisten-Ausbildner in Darmstadt erfahre ich, dass "Focus Online" neue Webvideo-Formate anbietet, darunter eines mit Namen "Focus-Online-News Navigator". Von der Moderatorin der Sendung, Isabella Kroth, erfahre ich in der ersten Sendung die hehren Ziele des neuen Webvideo-Angebots: "Wir navigieren Sie durch den täglichen Meldungs- und Informationsdschungel."

Ein verlockendes Versprechen in Zeiten der gnadenlosen Informationsüberflutung, zumal das Angebot der verlässliche Kompass für das tägliche Nachrichtengeschehen sei: "Wir zeigen Zusammenhänge, klopfen Meldungen auf ihren Gehalt ab und lassen aus mancher Medienblase die Luft entweichen."

Beim Anschauen einiger der Sendungen, die auf der Playlist der übersichtlichen Seite angeboten werden, entweicht die Luft aus dieser Versprechensblase rasch: Drei Themen pro Sendung, die knapp viereinhalb Minuten dauert. Die bemühte Moderatorin, die auch die Nachrichtenredakteurin ist, präsentiert den Text. Videosequenzen werden eingespielt, über die Moderatorin gelegt.

Das ist ein alt bekanntes Strickmuster, wie es im Netz auch von "Spiegel Online", von "Welt Online", von der Onlineausgabe von "Österreich" oder im Fernsehen in den "ZiB Flashes" von ORF 1 (noch nicht on demand verfügbar) und vielen anderen eingesetzt wird: Kurze Information zum raschen Überblick.

Aber Zusammenhänge und in die Tiefe Gehendes bleibt auch das neue Webvideo-Angebot von FOCUS schuldig.

Mit Verlaub: Das Experteninterview der Präsentatorin mit FOCUS-Online-Sportredakteur Martin Vogt über die Erwartungen an die deutsche Nationalmannschaft im EM-Viertelfinale in der Ausgabe vom 19. Juni 2008 ist bieder und ähnelt den vielen Analysen, die an diesem Tag in den Medien landauf landab zu lesen sind.

Die Versprechen von FOCUS halten der Überprüfung nicht stand.

Bleiben zwei Fragen:
  • Warum muss ein neues Webvideo-Angebot, das auch nicht schlechter als viele andere gemacht ist, mit Marketingphrasen Erwartungen wecken, die dann nicht erfüllt werden? (liebe Verantwortliche bei FOCUS: die User nicht nicht so blöd, dass sie das nicht merken! - Anmerkung des Autors).
  • Warum wird nicht ein Webvideo-Format angeboten, das in der unübersichlichen Vielfalt der Nachrichtenangebote und der täglichen Informationsflut tatsächlich die Versprechen erfüllt, die FOCUS gemacht hat?
Navigation durch die tägliche Informationsflut, Zusammenhänge aufzeigen, Hilfe bei der Einordnung und Bewertung von Ereignissen ... viele User wären dankbar für die Hilfe bei der Bewältigung der Informationsfülle, die ständig auf sie niederprasselt.

Ein solches Angebot wäre dringend nötig und das Internet böte die Möglichkeiten dazu.

Freitag, Juni 13, 2008

Die kostenlose Alternative zu DVB-H ...

Und noch einmal ein - zumindest vordergründig - Technikbeitrag, noch einmal zum Fernsehen auf Mobiltelefonen. DVB-H ist ja nun in Österreich empfangbar - zumindest in den vier Austragungsstätten der Fußball-EM, in Wien, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt. Zur Zeit sind es 14 Fernseh- und fünf Radioprogramme . Bei drei Providern, bei zweien davon bis Ende des Jahres kostenlos. Dann zum Preis von neun Euro pro Monat.

Warum aber soll der mobile Fernsehkonsument Geld für eine Leistung bezahlen, die er im beinahe selben Umfang und an viel mehr Orten kostenlos empfangen kann? Über DVB-T nämlich. Das digitale Antennenfernsehen ist zum einen kostenlos, zum zweiten schon in weiten Teilen Österreichs empfangbar und drittens bietet es - zumindest im Norden des Bundeslandes Salzburg - nicht nur die sechs Fensehprogramme vom Sender Gaisberg, sondern auch noch zwölf deutsche, öffentlich-rechtliche Programme vom Sender Untersberg.

Einzige Voraussetzung ist ein entsprechendes Mobiltelefon, das DVB-T empfangen kann. Die sind noch Mangelware (zum Zeitpunkt, an dem ich diesen Beitrag schreibe, gibt es gerade ein einziges geeignetes Modell auf dem Markt!).

Warum also Geld für DVB-H-Empfang ausgeben? Das würde nur Sinn machen, wenn dafür Programme angeboten würden, die speziell auf das Nutzungsverhalten von Fernsehen auf Mobiltelefonen abgestimmt wären.

Diese Programme gibt es zur Zeit nicht. Weil Sie angeblich zu teuer sind. Es wurde also eine neue Vertriebsschiene für Fernsehen geschaffen, ohne dass die dafür passenden Inhalte angeboten werden. Sollte DVB-H vom Konsumenten nicht angenommen werden, heißt es hoffentlich nicht, dass Fernsehen für das Mobiltelefon gescheitert ist. Was der Konsument tatsächlich abgelehnt hat, sind Fernsehsendungen, die fürs "große" Fernsehen poduziert und nur auf die Größe eines Handydisplays zusammengequetscht wurden.

Fernsehprogramme für Handys sehen anders aus ...

Donnerstag, Juni 12, 2008

Das Wunder von A1: HDTV fürs Handy

Ich wollte es nicht glauben und rief daher die Serviceline von A1 an (0800 664 664). Die junge, ausgesprochen freundliche junge Dame, die sich um meine Wünsche bemühte, bestätigte das Unglaubliche: A1 bietet bietet in seiner "Shopworld" - die Broschüre lag heute einer Tageszeitung bei - hochauflösendes Fernsehen für Mobiltelefone an!

"Ja", sagte die freundliche Stimme in der Serviceline, HD Mobile TV von A1, wie in der Broschüre auf Seite sechs getitelt wird, bedeute "High Definition Mobile TV von A1". "Mobiles Fernsehen erleben Sie immer und überall in gestochen scharfer Bild- und Tonqualität," wiederholt die freundliche Stimme den Text aus der Broschüre, in der eine Zeile tiefer noch einmal bestätigt wird: "Alle 31 Spiele der UEFA EURO 2008 in HD Qualität anschauen. Und auch auf der A1 Website finde ich diese Information.

Das Wunder von A1: Der Mobiltelefonieanbieter schafft es, hochauflösendes Fernsehen auf einen Handybildschirm mit 320 x 240 Pixel zu quetschen.

Oder ist es nur ein plumper Werbegag, der A1 auf Käufer hoffen lässt, die das Modewort HD gehört haben, aber nicht wissen, was hochauflösendes Fernsehen ist.

Die nicht wissen, dass HDTV der digitale Fernsehstandard für möglichst große Fernseher ist. HDTV wird als "HD ready" mit 1280 x 720 Bildpunkten und als "full HD" mit 1920 x 1080 Bildpunkten geliefert.

Für Mobiltelefonie ist allerdings ein anderer Standard zuständig: DVB-H für Handy-Bildschirme mit 320 x 240 Bildpunkten.

HD, also hochauflösendes Fernsehen, für Handys gibt es also gar nicht. Es ist ein Werbegag. Wenn nicht - ja wenn nicht A1 das Wunder schafft ...

Sonntag, Mai 04, 2008

Fernsehen in der Hosentasche

Viel ist in den Tagen vor der Fußball-Europameisterschaft, die im Juni in Österreich und in der Schweiz ausgetragen wird, die Rede von Fernsehen auf dem Handy. Auch in Österreich soll dieser neue Distributionskanal für bewegte Bilder, vulgo Fernsehen, unter dem Namen DVB-H als kommerzielles Service angeboten werden. Die Rundfunk-Regulierungsbehörde RTR jedenfalls hat die Lizenz vergeben und zwar an den internationalen Rundfunk-Dienstleister Media Broadcast, der die ORS - sie betreut unter anderem die mehr als 700 Sender des ORF - an Bord geholt hat.

Das ist die Ausgangssituation in Österreich. Dahingestellt bleibt zum jetzigen Zeitpunkt, wie viele Konsumenten - Early Adopters ist wohl die passendere Bezeichnung - DVB-H empfangen können und wollen, wenn es denn im Juni angeboten wird. Die Skepsis der Österreicher gegenüber Fernsehen auf dem Mobiltelefon ist groß. Denn erstens wird es kostenpflichtig sein und zweitens sind geeignete Endgeräte nicht nur in Österreich noch Mangelware. Aber drittens geben sich die, die mit DVB-H ein Geschäft machen wollen, mehr als zuversichtlich: Bis 2011 rechnen sie mit 500 Millionen Handy-TV-Benutzern weltweit.

Sie merken es bereits: Wenn von DVB-H und seiner Einführung die Rede ist, dann werden technische und wirtschaftliche Argumente ins Treffen geführt. Selten wird über die Inhalte gesprochen, über Programme und Sendungen, die den technischen Anforderungen und dem unterschiedlichen Nutzungsverhalten von DVB-H entsprechen. Aber gerade die Verfügbarkeit von Fernsehinhalten, die auf diese Anforderungen zugeschnitten sind, werden meiner Meinung nach über den wirtschaftlichen Erfolg von DVB-H entscheiden:
  • Das Bild auf dem Mobiltelefon (320 x 240 Bildpunkte) ist um den Faktor fünf kleiner als auf dem herkömmlichen Fernsehgerät (720 x 576 Bildpunkte). Kameraeinstellungen und Insertgrößen müssen auf diese technische Vorgabe Rücksicht nehmen; denn bei Supertotalen, wahrscheinlich schon bei Totalen ist auf dem Handydisplay nicht mehr viel bis nichts mehr zu erkennen.

  • Der Datenstrom, der Fernsehprogramme auf das Mobiltelefon liefert, ist weitaus stärker komprimiert als bei PAL-Fernsehen über DVB-T oder DVB-S und daher viel anfälliger für Artefakte bei raschem Bildwechsel. Die Kameraführung muss darauf Rücksicht nehmen.

  • Der Konsument nutzt Fernsehen am Handy viel kürzer als herkömmliches Fernsehen; 20-minütige Nachrichtensendungen werden zu lang sein, ebenso wie wie Spielfilme mit zwei Stunden Länge.

  • Fernsehen auf dem Handy wird in anderer Umgebung genutzt als klassisches Fernsehen; z.B. in der U-Bahn und nicht im privaten Umfeld des Wohnzimmers.
Erst wenige Formate, wie zum Beispiel die "Tagesschau in 100 Sekunden" der ARD oder die Daily Comedy "Anna und du" des ORF, nehmen auf die Besonderheiten von DVB-H Rücksicht, sind speziell für die Besonderheiten von Fernsehen auf dem Mobiltelefon produziert.

Für Handyfernsehen während der EURO 08 sind 15 TV-Programme geplant, genannt werden jene des ORF, von ATV und die wichtigsten deutschen Sender. Zumindest diese Sender liefern also Programm für Fernsehgeräte in gewohnter Größe. Fürs Handyfernsehen wird das Bild nur "klein gerechnet".

Ob das für eine Erfolgstory Handyfernsehen ausreicht? Fernsehen auf dem Mobiltelefon läuft Gefahr, dass es von den Konsumenten nicht akzeptiert wird, weil Inhalte angeboten werden, die nicht für die kleinen Displays, die stark komprimierten Datenströme und die speziellen Nutzungsbedingungen konzipiert und produziert wurden.

Montag, März 03, 2008

Print liebt Video

Auf immer mehr Online-Portalen von Tageszeitungen sind Videos feste Bestandteile der Berichterstattung. Print liebt Video - das steht auch in der Medienspiegel-Umfrage "Onlinejournalismus 2008" des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zu lesen: Fast sechs von zehn Onlineablegern deutscher Tageszeitungen bieten Filme mit lokalen und regionalen Nachrichten. Nicht viel weniger, nämlich 55,6 Prozent, stellen Filme mit überregionalen Nachrichten zum Abruf bereit.

Die Spezialisten fürs gedruckte Wort entdecken die bewegten Bilder. "Der Westen", das noch recht junge Portal der WAZ Mediengruppe, setzt sogar Maßstäbe. In der Reportage "Die verlorenen Straßen von Bruckhausen" sind Text und Video die maßgeblichen Medien der Berichterstattung. Dabei wird die Geschichte vom Abriss ganzer Straßenzüge im Norden von Duisburg nicht in einer Printversion erzählt, die von einem redundanten Videobericht des selben Inhalt flankiert wird. Vielmehr ergänzen einander Text und Video - ein schönes Beispiel für Multimedia Reporting.

Noch fehlt die Möglichkeit, die Reportage nonlinear zu konsumieren - die umfangreiche Arbeit muss in einem Stück, von vorne nach hinten gelesen werden; noch fehlen abgesehen von einer Landkarte und dem Diskussionsforum interaktive Elemente bzw. Web-2.0-Angebote. Aber die Reportage ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Video und Text ergänzen können, dass journalistische Konvergenz nicht ein Nebeneinander der einzelnen Medien, sondern ein Miteinander ist, in dem die Stärken der jeweiligen medialen Darstellungsform genutzt werden.

Noch sind diese Beispiele auf deutschsprachigen Online-Portalen selten. Wohl auch deshalb, weil ihre Produktion aufwändig ist, Ressourcen verlangt, die im von Aktualität getriebenen Alltag der Onlineredaktionen nicht unterzubringen sind.

Noch ist das Nebeneinander von Text und Print die Regel. Wie im neu gestalteten Portal der Münchner "Abendzeitung", wo neben Artikeln mit Texten und Fotos "Abendzeitung.tv" mit solide gemachten, klassischen Fernsehbeiträgen abzurufen ist.

Sonntag, Februar 25, 2007

Zukunft der Medien - eine wirtschaftliche Perspektive

TIME hat Zukunft. TIME ist das Akronym für Telekommunikation, Internet, Medien, Entertainment. Weil die Geschäftsmodelle von Unternehmen in diesen Branchen so stark in Abhängigkeit geraten, dass sie miteinander verschmelzen. Das sagte Stefan Jenzowsky, seit Beginn des Jahres Unternehmensberater, am 15. Februar 2007 beim Journalisten-Update des Kuratoriums für Journalistenausbildung in Salzburg.

Sein Leitthema an diesem Abend war die Frage, wie Unternehmen auf neue Trends reagieren. Am Beispiel der TelCos untermauerte Jenzowsky sein TIME-Szenario: Im Kerngeschäft, der Telefonie, geht der Innovationsdruck in Richtung selbe Technologie zu geringeren Kosten. Sykpe mit dem Versprechen, zumindest innerhalb des Internets kostenlos zu telefonieren, ist ein treibender Motor. Daher müssen die TelCos einen für sie neuen Bereich erschließen, der Wachstum verspricht. Sie setzen auf Content. Jenzowsky zitierte eine Marketingvorschau von O2, die dem Bereich Content die größten Wachstumszahlen in den kommenden Jahren zuordnet. 2006 gaben Handy-Besitzer in der EU 2,11 Milliarden Euro aus, um Musik aufs Handy zu laden. Klingeltöne und immer öfter komplette Musikstücke.

DVB-H, Fernsehen über tragbare Endgeräte; IPTV, Fernsehen über Internet; PVR, der persönliche Videorecorder, der sich die Vorlieben seines Benutzers merkt und ihm nebenbei noch störende Werbung aus der Festplattenaufnahme entfernt – DVB-H, IPTV und PVR sind Synonyme für die TIME-Fusion aus der Perspektive des klassischen Fernsehens. Die technisch unbegrenzte Kanalvielfalt, die Erosion des klassischen Geschäftsmodells der Unterbrecherwerbung, Video On Demand als Konkurrent zum zeitlich unbeeinflussbaren TV, werden dramatische Konsequenzen für das herkömmliche Fernsehen nach sich ziehen.

Fernsehen als Live-TV wird weniger Einschaltungen bei der Unterbrecherwerbung mit mehr Product Placements, mehr werbefinanzierten Programme und interaktiven Spielen sowie Gebühreneinnahmen aus Call-In-Sendungen kompensieren müssen. Stefan Jenzowsky nennt Gaming als eines der am stärksten wachsenden Geschäftsfelder: Bis 2010 werde der Umsatz, den männliche und weibliche Gamer weltweit weltweit generieren, 500 Millionen Euro übersteigen.

Zusätzlich müsse das Fernsehen neue Formate forcieren. Zum Beispiel Interaktivität für konventionelles Fernsehen auf Basis von hybriden Settopboxen, die klassisches Fernsehen empfangen und einen leistungsfähigen Rückkanal über Wireless-Netzwerke und Breitbandanschlüsse ermöglichen. Oder Community TV mit Möglichkeiten zum Chat, wie es bereits in Belgien ausprobiert wird.